| Manchmal müssen Rettungsschwimmer
nicht anderen Menschen helfen, sondern vor allem sich selbst. Das dachten
zumindest die neun Retter der DLRG Norderstedt, als sie beim 14. internationalen
DLRG-Cup in Warnemünde nach einer stürmischen Nacht an den Strand
kamen und sich verwundert die Augen rieben. Das tags zuvor aufgebaute Zelt
war verschwunden, die Orkanböen, die nachts mit mehr als neun Windstärken
über den Ostseestrand gefegt waren, hatten alles, was nicht niet-
und nagelfest war, mit sich gerissen. „Das Zelt haben Helfer, die nachts
am Strand Wache gehalten hatten, glücklicherweise gerade noch retten
können. Es war schon im Wasser und drohte abzutreiben“, sagte Mannschaftsführerin
Simona Mey.
Die 23-Jährige und das
Team der DLRG Norderstedt, zu dem außerdem noch Alina Stodollik,
Cornelia Veelken, Sonja Lindermann, Fabian Domke, Philipp Pessin, Nils
Schütte, Torben Hein und Claas-Tim Lohmann zählten, hatte Glück.
Andere fanden entweder nur noch die zerstörten Überreste ihrer
Strandbehausungen oder blieben auf der Suche nach verschwundenen Sportgeräten,
Stühlen oder Kleidungsstücken, gänzlich erfolglos. „Wir
sind dankbar, dass die Helfer der DLRG so schnell reagiert haben“, sagte
Simona Mey.
Nach diesem Schock und dem
erfolgreichen Zelt-Wiederaufbau stürzten sich die Norderstedter beherzt
in die Brandung. Und die war bei der 14. Auflage der mit 360 Sportlerinnen
und Sportlern aus zehn Nationalmannschaften und 42 Klubteams stark besetzten
Veranstaltung, teilweise recht ansehnlich. Nicht nur die Ausläufer
des nächtlichen Sturms, sondern vor allem die ein- und auslaufenden
Fähren im angrenzenden Warnemünder Hafen sorgten für zwischenzeitlichen
Wellengang.
Der DLRG-Cup war für
die Norderstedter ein absoluter Härtetest. Frühes Aufstehen um
5 Uhr und Wettkämpfe von 8 bis 17 Uhr sorgten für körperliche
und psychische Höchstbelastung. Hinzu kam die sportliche Herausforderung
und der Wille, bei den besten deutschen Sportlern und im Feld der Topathleten
aus Norwegen, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Estland,
Litauen, Lettland, Rumänien und Schweden bestehen zu können.
Das gelang vor allem Nachwuchstalent
Alina Stodollik gut. Die 17-Jährige, die sich gerade mit der schleswig-holsteinischen
Landesauswahl die Bronzemedaille beim Junioren-Rettungspokal gesichert
hatte, war auch in Warnemünde beste Norderstedterin. Die sprintstarke
Gymnasiastin erreichte im Beach Flags sogar das Finale der besten 16 Sportlerinnen.
Hier müssen die Starter aus der Bauchlage heraus 20 Meter sprinten
und sich dann einen Stab (Flag) greifen. Die Tücke: Es sind nie genug
Stäbe für alle da, sodass nach und nach Sportler ausscheiden
und am Ende nur einer übrig bleibt. Alina Stodollik landete im mit
acht Nationalsportlerinnen gespickten Feld schließlich auf dem 14.
Platz und wurde in der Gesamtwertung 42. von insgesamt 127 Teilnehmerinnen.
Bester männlicher Norderstedter
war Fabian Domke. Er erreichte im Run-Swim-Run, einem kombinierten 600
Meter langen Schwimm- und Laufwettbewerb, das Finale und wurde dort Zwölfter.
Der 28-Jährige landete im Gesamtklassement unter 153 männlichen
Rettern auf Platz 44.Erfolgreich waren auch die Staffeln der DLRG Norderstedt.
Sowohl das Frauen- als auch das Männerteam schafften im Rescue Tube
Relay, der Gurtretterstaffel, den Einzug ins B-Finale und wurde dort Siebter.
In der Vereinswertung landeten die Norderstedter auf dem 16. Platz. Siegreich
war das Team der DLRG Halle-Saalkreis, dahinter platzierten sich Harsewinkel
und Rostock. In der Wertung der Nationalteams setzte sich Deutschland gegen
die Niederlande und Belgien durch.
Für die Rettungssportlerinnen
und –sportler der DLRG Norderstedt stehen in diesem Sommer noch zwei weitere
Freiwasserwettkämpfe an, bis es dann wieder in die Halle geht. Im
November stehen die Deutschen Meisterschaften in Heidenheim an der Brenz
an.
Das große Ziel ist
aber die Teilnahme an den Europameisterschaften, die im September 2011
im spanischen Alicante am Strand und in der Schwimmhalle stattfinden. „Das
wird für uns nicht nur sportlich, sondern auch finanziell eine Herausforderung.
Wir hoffen, das wir Firmen und Institutionen finden, die uns bei unserem
Vorhaben unterstützen“, sagt Simona Mey. |